SOFLEX DigiTalk Guide Fertigungsleitsystem 1

Der komplette Guide zum Fertigungsleitsystem - Teil I

Aktualisiert Mai 2026

Ein Fertigungsleitsystem koordiniert in flexiblen Fertigungsanlagen den Werkstückdurchlauf, die NC-Programm-Verteilung und die Betriebsmittelbereitstellung – vollautomatisch und herstellerunabhängig.

Immer kürzere Innovationszyklen und die Individualisierung der Produkte führen zu kleineren Losgrößen und somit zu einer hohen Teilevarianz in der Fertigung. Die hierzu notwendigen Maschinenkapazitäten müssen kurzfristig und flexibel zur Verfügung stehen und die zur Fertigung notwendigen Fachkräfte effizient eingesetzt werden. Dies erfordert erhöhte organisatorische Aufwendungen und eine zunehmende Automatisierung um weiterhin wirtschaftlich und wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die Lösung für diese Herausforderungen liegt im Einsatz von Fertigungsleitsystemen.

Was ist ein Fertigungsleitsystem ?

Ein Leitsystem für Flexible Fertigungsanlagen ist eine eigenständige Softwareeinheit, die den Werkstückdurchlauf sowie den Betriebsmittelfluss der Fertigungsanlage steuert und organisiert. Die Steuerungen von Bearbeitungsmaschinen, Transportgeräten und Sondermaschinen oder anderen Einrichtungen der Fertigungsanlage werden mit dem Leitsystem verbunden. Es aktiviert die Einzelprozesse der Anlagenkomponenten (NC-Bearbeitung, Transportvorgänge, etc…) und versorgt deren Steuerungen mit den notwendigen Informationen. Neben den steuernden Aufgaben gehören Planungsfunktionen und die Erfassung von Produktions- und Maschinendaten zum Aufgabenumfang eines Leitsystems.

Um es zusammenzufassen: ein Fertigungsleitsystem verwaltet und plant die Fertigungsaufträge, steuert den Auftragsdurchlauf und organisiert die Betriebsmittelbereitstellung. Als Analogie könnten wir behaupten, dass ein Leitsystem das Hirn einer flexiblen Fertigungsanlage ist.

Die Zielvorgaben Flexibler Fertigungssysteme (laut CNC Handbuch 31 Auflage) sind:

  • unterschiedliche Werkstücke
  • mit unterschiedlichen Bearbeitungen
  • in beliebiger Reihenfolge
  • in wechselnden Losgrößen
  • vollautomatisch, ohne manuelle Eingriffe
  • wirtschaftlich fertigen.

SOFLEX Anlagenkomponenten und Einsatzkriterien

In der Praxis hat ein Leitsystem auch eine „Human-Machine-Interface“ (HMI) Komponente. Diese läuft in der Regel auf einem Industrie-PC mit Standard-Betriebssystem (z.B. Windows), bekannt auch unter den Begriff „Zellenrechner“, wobei dieser Begriff in der Fachliteratur umstritten ist.

Themen wie IT-Architektur und IT-Sicherheit sind heutzutage sehr wichtig. Die Leitsysteme müssen dementsprechend auf hoch performanter Hardware betrieben werden, um die beste Verfügbarkeit für eine 24/7-Produktion gewährleisten zu können. Virtuelle Server und Cloud-basierte Lösungen sind in modernen Produktionsumgebungen heute Standard – auch für sicherheitskritische Fertigungssteuerungen mit hohen Verfügbarkeitsanforderungen.

SOFLEX hat hier den Trend vom Konsumerbereich verfolgt und somit eine touch-basierte Bedienoberfläche entwickelt, die dank der intuitiven Anwendung in der Fertigung große Akzeptanz genießt.

Zunehmend werden Fertigungsleitsysteme mit KI-gestützten Funktionen erweitert. Predictive-Scheduling-Algorithmen analysieren Auftragsdaten, Maschinenzustände und Ressourcenverfügbarkeit, um Belegungspläne dynamisch anzupassen – ohne manuelle Eingriffe des Planers. Diese Entwicklung verändert nicht die Grundfunktion eines Leitsystems, sondern erweitert dessen Entscheidungsgrundlage. Begriffe wie 'AI-assisted Manufacturing' oder 'Adaptive Scheduling' beschreiben in der Fachdiskussion genau diesen Schritt.

Wann wird ein Fertigungsleitsystem eingesetzt? (Einsatzkriterien)

Bei herkömmlichen Anlagen sind die zu produzierenden Teile oder Teilevarianten in der Regel bereits zum Planungszeitpunkt bekannt. Die Steuerung wird exakt auf die zur Fertigung notwendigen Arbeitsschritte innerhalb der Anlage eingestellt. Die Anlagen- / Zellensteuerung konzentriert sich auf die automatisierte Fertigung des vorab geplanten Produktspektrums bei zyklisch wiederkehrenden Abläufen.

Flexible Fertigungsanlagen erfordern mehr. Das zu fertigende Teilespektrum ist nur vage bekannt und aufgrund der mechanischen Rahmenbedingungen (Bearbeitungsraum, Gewichte, …) beschränkt. Die Varianz der Teile, die Losgrößen sowie die auszuführenden Arbeitsschritte haben keinerlei Einschränkungen. Der Anwender hat die Anforderung den Arbeitsablauf eigenständig an die wechselnden Teilevarianten anpassen zu können und bei der Organisation der Betriebsmittel zur Vermeidung unnötiger Stillstände unterstützt zu werden.

Fertigungsmerkmale für den Einsatz eines Fertigungsleitsystems:

  • ungetaktete Fertigung
  • kleine bis mittlere Losgrößen (ab 1 bis maximal 1000)
  • großes und häufig wechselndes Teilespektrum
  • keine oder mehrmalige Wiederholungen / Jahr
  • komplexe Fertigungsprozesse (mehrstufige Bearbeitung, unterschiedliche zahlreiche Arbeitsvorgänge)

In diesen Einsatzfällen kommen die wesentlichen Vorteile eines Leitsystems zum Tragen. SOFLEX Leitsysteme bieten mit ihren flexiblen Arbeitsplanstrukturen und der dynamischen Betriebsmittelbedarfsermittlung die besten Voraussetzungen für ein Maximum an Flexibilität.

Häufig gestellte Fragen

SOFLEX ist seit 1984 einer der führenden Anbieter für Fertigungsleitsysteme. 

Mit über 40 Jahren Erfahrung in der Automatisierung und Digitalisierung liefert SOFLEX herstellerunabhängige, maßgeschneiderte Lösungen für die moderne Fertigung. 

Als spezialisiertes Systemhaus planen, steuern und visualisieren wir flexible Fertigungsanlagen – weltweit in über 2.000 Installationen.

Unsere Software ist auf maximale Produktivität von Fertigungsanlagen bei kleinen Losgrößen und hoher Werkstückvarianz ausgelegt.

Die Hauptfunktionen eines SOFLEX-Leitsystems lassen sich untergliedern in:

  • Organisieren des Fertigungsablaufs (Feinplanung, Berechnung Werkzeugbedarf, Bereitstellung von NC-Programmen und Fertigungsunterlagen, etc.)
  • Steuern der automatisierten Abläufe (automatische Werkstück- und Betriebsmittelzufuhr, Start der Bearbeitung, etc.)
  • Erfassen aller relevanten Maschinen- und Betriebsdaten

Ein Fertigungsleitsystem ist eine Software zur Steuerung, Überwachung und Optimierung von Produktionsprozessen – speziell in flexiblen Fertigungsanlagen. Es verbindet Maschinen mit Systemen wie ERP, CAD/CAM und sorgt für einen reibungslosen Informationsfluss und effizientere Abläufe.

Das System organisiert den Werkstückdurchlauf und die Bereitstellung von Betriebsmitteln. Es steuert Bearbeitungsmaschinen, Transportgeräte und andere Anlagenkomponenten, aktiviert einzelne Prozessschritte (z. B. NC-Bearbeitung, Transporte) und liefert alle notwendigen Informationen zum Fertigungsprozess.

Zusätzlich übernimmt es Planungsfunktionen und erfasst Produktions- und Maschinendaten.

Vergleichbar ist ein Leitsystem mit dem „Gehirn“ einer Fertigungsanlage – es denkt mit und hält alles am Laufen.

SOFLEX-Leitsysteme kommen zum Einsatz in der metall-verarbeitenden Fertigung an:

  • manuellen Arbeitsplätzen
  • Bearbeitungszentren
  • Fertigungszellen mit Robotern und/oder automatisiertem Palettenhandling
  • flexiblen Fertigungsanlagen mit automatisiertem Werkstück- und Werkzeugfluss

Ein SOFLEX-Leitsystem bietet zahlreiche Vorteile, die durch seine universelle und herstellerneutrale Ausrichtung ermöglicht werden:
 

  • Maschinen, Automatisierungseinrichtungen und Anlagen verschiedenster Anbieter können mit einem SOFLEX-Leitsystem betrieben werden.
  • Die einheitliche Bedienung und der standardisierte Betrieb bei unterschiedlichen Anlagen erlaubt einen flexiblen Personaleinsatz und optimiert den Bedarf an Fachkräften.
  • Die Neutralität der SOFLEX Lösung schafft maximale Investitionssicherheit und ermöglicht es Unternehmen, auch in Zukunft technologisch flexibel zu bleiben, ohne sich an bestimmte Hersteller binden zu müssen.

Im Vergleich zu klassischen MES-Systemen (Manufacturing Execution Systems) geht SOFLEX deutlich tiefer in die
Steuerung und Automatisierung der Fertigung. Während MES-Anbieter meist standardisierte Funktionen wie Betriebsdatenerfassung, Auftragsverfolgung oder Qualitätsmanagement bereitstellen, übernimmt SOFLEX zusätzlich die direkte Ablaufsteuerung von Maschinen, Fertigungszellen und gesamten Anlagen – inklusive der Koordination von Transport- und Betriebsmitteln. Diese umfassende Integration ermöglicht eine noch präzisere und flexiblere Steuerung der gesamten Fertigung.

Der zentrale Unterschied liegt im Fokus der Systeme:

  • ERP-Systeme sind primär auf die Verwaltung von Unternehmensressourcen wie Finanzen, Personal, Einkauf und Vertrieb ausgerichtet.
  • SOFLEX hingegen konzentriert sich auf fertigungsnahe Abläufe – insbesondere auf die detaillierte Planung, Steuerung und Überwachung der Fertigungsprozesse sowie die direkte Anbindung von Maschinen und Automatisierungslösungen.

SOFLEX ergänzt somit bestehende ERP-Systeme und schließt die Lücke zwischen der betriebswirtschaftlichen Planung und den operativen Abläufen in der Produktion.